Künstliche Riffe

Ermittlung der fischereilichen Aufwertung von Schütt- und Verklappungsstellen beim Einsatz von Unterwasserstrukturen und Untersuchung des Dorschbestandes am „Riff Nienhagen“

Künstliche Riffe weltweit stellen prinzipiell eine Veränderung der aquatischen Umwelt dar. Sie beeinflussen physikalische, biologische aber auch sozioökonomische Prozesse in ihrer unmittelbaren Umgebung. Eine Vielzahl künstlicher Riffe entstanden durch Schiffswracks, aber auch durch das bewusste Versenken von Schiffen und anderen nicht mehr brauchbaren Strukturen, wie z.B. ausrangierte Ölplattformen.

Diese Art der Errichtung künstlicher Riffe wurde bei der Planung der künstlichen Riffe in Nienhagen und Rosenort ausgeschlossen, da sowohl die flachen Gewässer an der mecklenburgisch-vorpommerschen Küste aber auch die Bedenken des Naturschutzes eine andere Lösung erforderten. Daher wurden im Jahr 2008 speziell konstruierte Betonstrukturen und andere ökosystemfreundliche Strukturen gebaut und in dem Gebiet versenkt.

 

In Vorbereitung der Errichtung der künstlichen Habitate vor Nienhagen und Rosenort waren grundsätzliche Fragestellungen zu beantworten. Zu welchem Zweck sollen die künstlichen Riffe errichtet werden? Dabei wurden aus fischereilicher und sozioökonomischer Sicht nachfolgende Nutzungsmöglichkeiten in den Vordergrund gestellt:

  • Unterstützung der natürlichen Reproduktion kommerziell wichtiger Fischarten
    • Schutz der juvenilen Fische vor Wegfraß
    • Verbesserte Nahrungsbedingungen aufgrund des ökologischen Potentials der Strukturen
  • Aquakulturspezifische Untersuchungen
    • Hälterung von Fischen in Netzgehegen, Mortalitäts- und Wachstumsuntersuchungen
  • Möglichkeiten einer späteren Öffnung der Gebiete für angelsportliche Aktivitäten
  • Tauchtourismus
  • Kontrolle der fischereilichen Mortalität durch die Schutzfunktion der Strukturen, insbesondere vor einer Grundtrawlfischerei
  • Manipulierung des Verhaltens der Fische und hier insbesondere des Dorsches in Hinsicht auf die Verweildauer der Fische
    • Schaffung lokaler Bestände und Ermittlung zeitlicher Rückkehrraten
    • Ermittlung der Effekte künstlicher Lichtquellen auf das Verhalten der Fische. Können damit höhere Fänge in bestimmten Fanggeräten wie Fischfallen erzielt werden?
  • Erhalt der Biodiversität
  • Untersuchungen von spezifischen, ökosystemfreundlichen Fanggeräten wie Fischfallen in Hinsicht auf die Vermeidung von unerwünschten Beifängen an Nichtzielarten, Seevögeln und marinen Säugern
  • Angebote für Forschungsaktivitäten anderer Einrichtungen
    • Algenproduktion
    • Technische Lösungen für Unterwasser-Stromversorgung

     

    In diesem zusammenfassenden Bericht werden vorrangig die fischereibiologischen und –ökologischen Ergebnisse dargestellt und einige Antworten zu fischereilichen Managementfragen gegeben.