Meerforellenbestandsprojekt

Die Meerforelle

 

Wie der Lachs vollzieht die Meerforelle (Salmo trutta trutta), als echter anadromer Wanderfisch innerhalb ihres Lebenszyklusses einen Wechsel zwischen Salz- und Süßwasser. Das Reproduktionsgebiet reicht von küstennahen Fließgewässern bis tief in das Binnenland, vorausgesetzt die Art trifft dort auf geeignete Lebensbedingungen. Ähnlich dem Lachs kann die Meerforelle als Langdistanzwanderer hunderte Kilometer zurücklegen, um ihre angestammten Laichgebiete aufzusuchen. In Abhängigkeit von ihrer Konstitution verlassen Milchner und Rogener normalerweise nach dem Laichgeschäft die Laichplätze und ziehen zu ihren Nahrungshabitaten ins Meer zurück.

Die kommerzielle Bedeutung der Meerforelle beruht auf der zunehmenden Verfügbarkeit dieser Fischart für Fischerei und Angeltourismus im Bereich der deutschen Ostseeküste. Die unmittelbare Ursache für die Zunahme ist primär im Besatzprogramm des Landes Mecklenburg-Vorpommern zu sehen. Seit dem Ende der Neunziger Jahre wurden jährlich ca. 500.000 Meerforellenbrütlinge in geeignete Fließgewässer besetzt. Mittlerweile wurden ca. 6 Millionen Brütlinge im Frühjahreszeitraum, in 25 Fließgewässer, entlassen. Nach den Untersuchungen zum Besatzaufkommen im Herbstzeitraum eines jeden Jahres, zeugen die Schätzungen vom Erfolg des Besatzprogrammes. Diese Aussagen beziehen sich bisher nur auf die jungen Meerforellen im Parr- und Smoltstadium innerhalb der Aufwuchsgebiete. Verlässliche Angaben zum Adultbestand im Bereich der deutschen Ostseeküste gibt es bisher nicht. Auch im internationalen Rahmen der Ostseeanrainer erfährt die Meerforelle eine zunehmende Bedeutung. So erfolgte im Jahr 2007 die Gründung einer Arbeitsgruppe im Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) mit der Zielstellung die nationalen Aktivitäten zum Bestandsaufkommen der Meerforelle im Ostseeraum zu erfassen und zu  koordinieren. Seit 2010 beschäftigt sich eine HELCOM Arbeitsgruppe mit den Beständen der Meerforelle. Im Rahmen des Projektes HELCOM SALAR sollen Daten über die Bestände von Lachs und Meerforelle in den Ostseezuflüssen sowie Charakteristika der jeweiligen Gewässer erfasst und ausgewertet werden.

Erste Untersuchungen des Vereins zum Adultbestand der Meerforelle in der Wismarbucht erfolgten im Zeitraum 1999 bis 2001. Im Vordergrund der Untersuchungen standen die Auswirkungen der Besatzmaßnahmen, seit 1993, auf den Bestand der Meerforelle in der Wismar Bucht. Hierbei wurden 7 Fließgewässer mit Zugang zur Wismarbucht sowie die Beke als Referenzgewässer im Warnoweinzugsgebiet ganzjährig beprobt. Für die Beprobung der Wismarbucht wurden 10 Fischereibetriebe dieser Region und ein Fischer aus Warnemünde in das Projekt eingebunden. Mit ca. 80% setzt sich der Bestand der Wismarbucht aus Meerforellen des Hellbach zusammen. Es konnte nachgewiesen werden, dass der Hellbach auf Grund der Besatzmaßnahmen, zu einem selbst reproduzierenden Meerforellengewässer geworden ist. Aus den Ergebnissen des Projektes wurde bei einem Besatz von 612.000 Brütlingen bis 1998, im Jahr 2001 eine Bestandssteigerung um 24.5 t in der Wismarbucht errechnet.

 

Besatzmaßnahmen und Kontrolle

 

Im „Besatzprogramm Küstengewässer M-V, Teil Meerforelle“ werden unter Federführung des Landesamts für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei M-V (LALLF) seit dem Jahr 2000 Besatzmaßnahmen für diese Fischart in ausgewählten Fließgewässern in Küstennähe koordiniert. Ziel der Besatzmaßnahmen ist der Aufbau selbstreproduzierender Bestände in den ausgewählten Bächen.

Im Juni 2008 erfolgte die Fortschreibung des Programms bis 2013. Jährlich werden durch öffentliche Ausschreibung und nach der Erteilung der erforderlichen Fanggenehmigungen laichreife Rogner und Milchner von Meerforellen aus heimischen Populationen im Warnoweinzugsgebiet sowie im Hellbach entnommen und Larven künstlich erbrütet. Die so enthaltene Brut wird im Frühjahr in verschiedene Fließgewässer im Ostseeeinzugsgebiet ausgesetzt. Zur Überprüfung der Effizienz der durchgeführten Maßnahmen werden jährlich Kontrollen durchgeführt, die eine Bewertung und eventuell erforderliche Korrektur der Besatzstrategie ermöglichen.

In einigen Bächen hat der kontinuierliche Besatz erste Erfolge erzielt und es konnte eine natürliche Reproduktion nachgewiesen werden. Sehr gute Ergebnisse sind im Peezer Bach und dem Tarnewitzer bzw. Damshäger Bach zu beobachten. Aus diesem Grund wurden diese Bäche aus dem Besatzprogramm ausgegliedert und nicht mehr besetzt. In diesen Fließen soll die Nachhaltigkeit und Stabilität der natürlichen Reproduktion erfasst werden.

Weitere Gewässer mit natürlichem Laichgeschehen bzw. sich entwickelndem eigenen Aufkommen sind die Köppernitz, der Hanshäger Bach, die Swinow und der Strasburger Mühlbach. Diese Fließgewässer verfügen über ausreichend stark durchströmte kiesige Bereiche, in denen sich die adulten Meerforellen fortpflanzen können.

 

 

Meerforellenprojekte des Vereins

 

2004 - 2006

Untersuchungen zum Laicherbestand der Meerforelle des Hellbach, während des Projektzeitraumes 2004 bis 2006

 

2007 - 2008

Pilotprojektes – „automatische Langzeitregistrierung von Meerforellen mittels RFID-Technik im Salmonidengewässer Hellbach“.

 

 

2009 - 2010

Optimierung des Bestandsmanagements für Meerforellen (Salmo trutta trutta L.) in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns durch Ermittlung vertikaler und horizontaler Wanderwege.

 

2011 - 2013

Ermittlung des Meerforellenbestandes der Wismarbucht durch den Einsatz automatischer Registriersysteme und fischereibiologischen Untersuchungen in ausgewählten Reproduktionsgewässern der Meerforelle.

 

Seit 1999

Jährlicher Fang von adulten Meerforellen während der Laichsaison zur Erzeugung von Brütlingen für das Landesbesatzprogramm