Geschichte des Vereins "Fisch und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern e. V."

Die Gründung des Vereins

Vor 20 Jahren, im August 1991, stand fest, dass gemäß Einigungsvertrag und nach Evaluierung durch den damaligen Wissenschaftsrat der BRD das Institut für Hochseefischerei und Fischverarbeitung Rostock seine bis dahin mehr als 38-jährige traditionsreiche und international anerkannte Tätigkeit zum 31. Dezember 1991 einstellen wird.

Zwar wurde der Erhalt einzelner innovativer Forschungsbereiche wie die Fischereiforschung in der Ostsee, Marine Aquakultur und ökologische Grundlagenforschung im Rahmen bestehender bzw. neu zu bildender öffentlich finanzierter Forschungsstrukturen empfohlen, doch war zum damaligen Zeitpunkt abzusehen, dass sich für die Mehrzahl der ca. 200 noch vorhandenen Mitarbeiter die dringliche Frage beruflicher und sozialer Zukunft stellte.

So waren es anfangs acht Frauen und Männer aus allen Bereichen des Instituts, die mit voller Unterstützung der Institutsleitung die Aufgabe hatten, die Gründung eines Vereins vorzubereiten. Der uns unvergessene Bodo Schildhauer hat sich dabei besonders verdient gemacht, weil er als einziger in dieser Runde Erfahrungen und Kenntnisse zum Vereinsrecht und der Finanzierung von Vereinen mitbrachte. Hinzu kamen Gesetze und Verordnungen der Bundesregierung im Rahmen des „Gemeinschaftswerkes Aufschwung Ost“, wonach u.a. die Möglichkeit geschaffen wurde, mit Hilfe von staatlich geförderten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) „eine Brücke zu neuen Arbeitsplätzen“ zu schaffen, darunter  auch auf den Gebieten „Sanierung der Umwelt und Landschaftspflege“. Genau in dieser, von der Bundesregierung formulierten Zielstellung sahen die Vereinsgründer eine Chance.

Es galt zunächst, die Zielstellung und den Inhalt der Arbeit des zukünftigen Vereins zu bestimmen. Die vordringliche Aufgabe wurde darin gesehen, das noch vorhandene und kompetente wissenschaftliche und technische Potential fischereilicher Forschungskapazität am Standort Rostock möglichst umfangreich zu erhalten. Mit den hier neu geschaffenen Forschungseinrichtungen, dem Institut für Ostseefischerei der Bundesforschungsanstalt für Fischerei und der gebildeten Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei M-V, in denen ein geringer Teil von Mitarbeitern des IfH eine neue Aufgabe fand, wurde bereits in der Entstehungsphase dieser Einrichtungen und des Vereins eine enge Zusammenarbeit angestrebt. 

Ein gemeinnütziger, eingetragener Verein als Arbeitgeber und Träger für  Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und darüber hinaus auch von Forschungs- und Entwicklungsprojekten sollte die Lösung bringen. Ein Vorbild dafür gab es dafür nicht.

Der Verein gab sich auf seiner Gründungsversammlung, auf der sich zunächst 60 Mitarbeiter des IfH einschrieben, den Namen „Fisch und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern“.

In seiner ersten Satzung ist das Vereinsziel genannt:

          „Zweck des Vereins ist die Förderung von  Natur und

          Umwelt zur Gesundung des Ökosystems, insbesondere

          die Förderung von Projekten und Vorhaben des Natur-

          und Umweltschutzes, die die See-, Küsten- und Binnen-

          gewässer betreffen, die entsprechende Gestaltung

          anthropogener Einflüsse sowie die Verbreitung der dabei

          gewonnenen Erkenntnisse.“ 

Im Laufe der Jahre wurde der Vereinszweck wiederholt den jeweiligen Anforderungen entsprechend angepasst.

Heute hört sich das so an:

         „Zweck des Vereins ist die Förderung von Wissenschaft,

         Forschung und Bildung durch die Durchführung von Projekten

         in Natur und Umwelt, insbesondere zur Verbesserung im

         Bereich der See-, Küsten- und Binnengewässer …....“

So dokumentieren Name und Satzung von Anfang an die konkrete fachliche Zielstellung des Vereins, nämlich die enge Verbindung des ökologischen Schutzes der Küsten- und Binnnengewässer und ihrer Flora und Fauna mit einer umweltgerechten Nutzung durch fischereiliches Gewerbe und naturverbundener sportfischereilicher Freizeitgestaltung. Dieses Tätigkeitsfeld des Vereins an der Nahtstelle zwischen Wirtschaft, Tourismus und Umweltschutz bestimmt nun seit fast 25 Jahren die Arbeit des Vereins.

Finanzierung

Begonnen wurde Anfang 1992 die Arbeit im Rahmen der Richtlinien mit 36 Mitarbeitern an 10 ausgewählten Projekten und Maßnahmen mit den Schwerpunkten Fischartenschutz und Gewässersanierung, die von den Arbeitsämtern Rostock, Wismar und Stralsund bis 1996 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) öffentlich gefördert wurden, wobei  hier schon eine Kofinanzierung über Eigenmittel oder Drittmittel erforderlich war. 

Hinzu kamen noch bis heute Mittel aus der Fischereiabgabe des Landes, also eine vom Landwirtschaftsministerium und den Fischereiverbänden getragene Unterstützung von Forschungsaufgaben zum Fischartenschutz bzw. zur Bestandsaufstockung gefährdeter einheimischer Fischarten.

Meerforelle & Ostseeschnäpel

Ideen und Initiativen für Projekte kamen von fachlich kompetenten Vereinsmitgliedern, den Partnern in der Landesforschung und aus der Praxis der Fischereiverbände, aber auch von  staatlichen Ämtern und dem Umweltamt der Hansestadt Rostock.

Von 1992 bis heute – also über 20 Jahre – standen in der fachlichen Arbeit zum Fischartenschutz drei Projekte im Mittelpunkt: 

¹) die Wiedereinbürgerung der vom Aussterben bedrohten Meerforelle in Bächen und Küstengewässern und

²) die Bestandsaufstockung des Ostseeschnäpels in Vorpommern.

Steigende Fänge dieser Fischarten bei Berufsfischern und Meeresanglern haben bestätigt, dass mehrjährige und kontinuierliche Aufzucht- und Besatzmaßnahmen dank der Förderung durch die Landesregierung zu nachhaltigen Erfolgen führen.

Heute können wir einschätzen, dass sich im Hellbachsystem ein sich selbst reproduzierender Bestand an Meerforellen aufgebaut hat, was durch die Monitoring-Ergebnisse an der vom STAUN Rostock geschaffenen Fischtreppe bei Neubukow und zunehmende Meerforellenfänge der Fischer und Angler nachgewiesen wird.

Auch der Ostseeschnäpel – vor 20 Jahren noch mit rückläufigen Bestandszahlen – hat sich durch die langjährigen Besatzmaßnahmen zunächst wesentlich erholt und wird gegenwärtig wieder als eine landestypische Spezialität in den Hotels und Gaststätten rund um Usedom angeboten.

Doch zeigte sich, dass die Bestände noch nicht so stabil sind, um eine konstante Nachwuchsproduktion zu gewährleisten. Deshalb fördert das Land M-V im Rahmen des Landesbesatzprogramms bis voraussichtlich 2018 weitere Aufzucht- und Bestandsmaßnahmen, an denen unser Verein beteiligt ist.

Die Fangmengen von Ostseeschnäpel in den Küstengewässern M-Vs entwickelten sich von 2008 bis 2013 von 12,2 t auf 24,3 t (Minimum mit 9,3 t 2010, Maximum mit 38,9 t  2012).                                                                                                    

 

Baltischer Stör & grenzenüberschreitende Kooperation

Ebenso hat der Verein von 1992 bis 2014 gemeinsam mit dem Institut für Fischerei und später mit Unterstützung der bundesweiten Gesellschaft zur Rettung des Baltischen Störs- in dessen Vorstand zwei ehemalige Mitarbeiter des Vereins, Dr. Anders und G.-M. Arndt mitarbeiteten – viele Untersuchungen zur Aufzucht verschiedener Störarten durchgeführt und hat an der Vorbereitung und Durchführung von Importen aus Kanada, der dem Baltischen Stör genetisch verwandten Störart „ Acipenser oxyrinchus“ aktiv mitgewirkt.

Heute wird mit aus Kanada importierten Stören und dort reproduzierten Jungfischen in der Aufzuchtanlage Born der Landesforschungsanstalt ein eigener Laichtierbestand aufgebaut, um in Zusammenarbeit mit der Republik Polen im Odergebiet die Wiedereinbürgerung des Baltischen Störs voranzubringen. In den letzten Jahren wurden gemeinsam jährliche Besatzmaßnahmen mit markierten Jungstören durchgeführt.

Wie wichtig die grenzüberschreitende Kooperation ist, zeigen auch die vom Verein in den Jahren 1997, 2000 und 2001 organisierten deutsch-polnischen Seminare zur fischereilichen Bewirtschaftung des Stettiner Haffs und der Pommerschen Bucht, deren Ergebnisse in gemeinsamen Publikationen veröffentlicht wurden.

Sanierung von Binnengewässern

Neben den Arbeiten zum aktiven Fischartenschutz war und ist der Verein tätig bei Untersuchungen zur Sanierung von Binnengewässern des Landes. Blickt man zurück auf die durchgeführten Maßnahmen der vergangenen 20 Jahre, stellt man fest, dass die Palette bearbeiteter Themen und Projekte recht vielseitig war.

Das reicht von der Untersuchung der Gewässergüte in regionalen stehenden und fließenden Gewässern (1992/93), der  Untersuchung der Wasserqualität der Rostocker Stadtgräben (1994), der Bewertung des ökologischen Zustandes ausgewählter Kleinstfließgewässer im Einzugsbereich der Warnow (1994 – ein vom STAUN Rostock gestelltes Thema), der Untersuchung von Langzeitwirkungen vormals intensiver Forellen-Fischzucht auf das Ökosystem von Binnenseen am Beispiel des Tressower Sees (1994 vom Arbeitsamt Wismar gefördert) bis hin zu großen Projekten ab 1995, wie die vom Institut für Fischerei der LFA geleitete Aufgabe zur „Fischereilichen Generalbonitierung der Binnenseen“ des Landes (gefördert über die Fischereiabgabe des Landes) zur Ermittlung des fischereilichen Ertragspotentials mit Schlußfolgerungen für die zukünftige Hege und wirtschaftliche Nutzung dieser ab 1 ha großen Gewässer. Hier übernahm der Verein die umfangreiche Erfassung von biologischen, biochemischen und gewässermorphologischen Grunddaten sowie deren Auswertung.

Von 140 ausgewählten Seen wurden nach einer speziellen Methode Tiefenkarten erarbeitet und eine mehrbändige Dokumentation den Behörden zur Verfügung gestellt.

Untersuchung von Laichschonbezirken

Als Beispiel einer außerordentlich gut gelungenen Kooperation mit anderen wissenschaftlichen Institutionen wie dem Institut für Angewandte Ökologie Neu Broderstorf, der Universität Rostock, Fachbereich Biologie und dem Ingenieurbüro Axel Kordian, kann auch das in den Jahren 1997 und 1998 unter Leitung des Instituts für Fischerei der LFA durchgeführte Projekt „Untersuchung der Laichschonbezirke in den Küstengewässern von M-V" gelten.

In diesen beiden Jahren wurden alle 48 bisher ausgewiesenen Laichschonbezirke im Bereich der inneren Küstengewässer auf der Basis umfassender Untersuchungen, darunter auch mit Unterwasser-Videotechnik, im Hinblick auf ihren ökologischen Zustand und ihre prinzipielle Eignung als Schongebiete analysiert und neu bewertet. Der größte Teil der Randgewässer der Bodden und des Peenestroms wurden damit überhaupt erstmalig wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse sind in ihrer Komplexität national und im Ostseeraum als einmalig einzuschätzen. Die vorliegende mehrbändige Dokumentation ist nicht nur für die fischereiliche Administration, Forschung und Praxis wichtig, sondern nach der erfolgten Resonanz offensichtlich auch langfristig für einen weiten Interessenkreis wertvoll.

Künstliche Riffe

Das normale Arbeitsprinzip einer umfassenden und gut organisierten Zusammenarbeit hat sich auch bei anderen Großprojekten bestens bewährt. Auf der Grundlage einer zuvor erarbeiteten Studie wurde ab 1995 im Rahmen der Forschungsaufgabe „Planung und vorbereitende Untersuchungen für die Errichtung eines künstlichen Riffs in den Küstengewässern von M-V“ ein Großprojekt zur Errichtung künstlicher Unterwasserhabitate vorbereitet, mit dem beispielhaft (für ein sich selbst regulierendes neues Ökosystem) die attraktive Aufwertung ausgewählter Gewässerabschnitte im Küstenbereich für die Fischerei den Angeltourismus und den Tauchsport demonstriert werden sollen. Gleichzeitig können die vorzüglichen Einsatzmöglichkeiten derartiger Habitate für spezielle innovative Untersuchungen der Meerestechnik und ebenso zu erwartende Vorteile des Systems für den Umweltschutz erprobt und nachgewiesen werden.

Unter Leitung des Instituts für Fischerei der LFA ist nun im Laufe der letzten 15 Jahre im Fischereischutzgebiet vor Nienhagen als Resultat der bisherigen praktischen Arbeiten in enger Kooperation mit dem Institut für Maritime Systeme und Strömungstechnik der Universität Rostock ein ausgedehntes Feld variabler künstlicher Unterwasserstrukturen mit einer Fläche von 4 ha Größe entstanden, das durch einen Telemetriemast komplettiert wurde, über den kontinuierliche Unterwasseraufnahmen und Datenfernübertragungen realisiert werden. Im vergangenen Jahr wurde dieser Mast durch eine Forschungs-Plattform ausgetauscht, was für die beteiligten Forscher eine große Verbesserung der Arbeitsbedingungen darstellt und eine Erweiterung der Untersuchungen ermöglicht, z.B. zur Erprobung der Algenproduktion.

Der alte Telemetriemast wurde in das Seegebiet vor Rosenort umgesetzt, wo sich seit 2009 auf einer ehemaligen Verklappungsstelle ein zweites kleineres Riff befindet.

Die Aufgaben des Vereins, d.h. das fischereibiologische Monitoring, die Auswertung der Videoaufzeichnungen sowie technische Untersuchungen an den verschiedensten Fanggeräten laufen bereits über mehrere Jahre und werden, davon sind wir überzeugt, interessante wissenschaftliche Erkenntnisse liefern.

Seit geraumer Zeit wird von den Projektverantwortlichen darüber beraten, wie das Riffgebiet vor Nienhagen nach dem Ende des Projektes 2012 auch touristisch genutzt werden könnte. Die Ideen reichen von einer Verbindung durch eine Seilbahn bis hin zu einer Plattform mit wissenschaftlichen Laboren mit Anlegemöglichkeiten für Tauchboote, Ausflugsbarkassen, und zur Installation einer Tauchgondel.

Aufstiegsanlagen

In den letzten 10 Jahren wurde das Arbeitsspektrum des Vereins erneut erweitert. Mit der Übernahme eines vom STAUN Rostock initiierten gemeinwohlorientierten Arbeitsförderungsprojektes zur „Erfolgskontrolle ausgewählter Fisch- und Evertebraten–Aufstiegsanlagen“ sollte einerseits die Wirksamkeit von neu errichteten Aufstiegsanlagen untersucht und andererseits geprüft werden, ob die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Fließgewässer Beke und Recknitz zu einer verbesserten Fischereibestandssituation in dem betreffenden Biotop führt. Beides konnte erfolgreich nachgewiesen werden.

Derzeit untersuchen Mitarbeiter des Vereins unter aktiver Mitwirkung des Anglerverbandes ähnliche Fragen an der vom STAUN veranlassten Fischtreppe im Hellbach bei Neubukow, wo zur Zeit besonders auch Meerforellen aufsteigen. Zukünftig sollen hier als neue Attraktion auch öffentlich zugängliche Container stehen, in denen analog zu dem natürlichen Prozeß im Hellbach die Aufzucht von Meerforellen vom befruchteten Ei bis zum erbrüteten Setzling einem interessierten Publikum demonstriert werden.

Projekte zur Kofinanzierung

Daneben hat der Verein notwendigerweise im Rahmen eines sogenannten „wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes“ auch Dienstleistungen durchgeführt, die notwendig waren für die Erwirtschaftung von Eigenmitteln zur Kofinanzierung öffentlich geförderter gemeinnütziger Projekte. Von großer Bedeutung waren und sind die Beteiligung an der Produktion sowie dem Besatz von Meerforellenbrütlingen und Ostseeschnäpel-Setzlingen in unseren Küstengewässern oder die Tiefenvermessung von Standgewässern und Talsperren in Sachsen-Anhalt und Sachsen, um nur einige Beispiele aus letzter Zeit zu nennen.

Nicht vergessen werden soll die aktuelle Mitarbeit des Vereins an der Erstellung eines Managementplanes für den Europäischen Flußaal, am Fischereimanagement der Maränenbestände in Binnenseen und Küstengewässern des Landes, an Umweltuntersuchungen im Rahmen der „Festen Fehmarn-Belt-Querung“ oder auch die Erprobung und der Einsatz von Fischfallen als eine alternative umweltgerechte Fangmethode, um wiederum nur einige Beispiele aus jüngster Zeit zu nennen.